Das erste Vierteljahr

Es gibt Zeiten, in denen muss sich ein Künstler zurückziehen, weil ihm die Welt zu laut wird. Ich denke, nicht nur für Künstler ist dies wichtig. Jeder kennt wahrscheinlich für sich dieses Gespür für die Notwendigkeit des inneren Rückzugs… dann und wann. Und jeder hat ein anderes Rezept dafür. Die einen gehen zelten, andere dauersaunieren, wieder andere lassen sich auf dem Sofa verloddern und gucken 24 Stunden am Tag Schmachtfilme auf Netflix, und Tatkräftige entrümpeln ihren Keller.

Ich ziehe die Zugbrücke vom Atelier hoch, flute die Burggräben und kappe die Kommunikationsdrähte.

Drinnen im Epizentrum beginnt dann Phase des Analysierens… des Brütens. Schließlich: die neuerliche Synthese. Das Klären von Strukturen gibt den Blick frei auf  neue Horizonte…

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und auf aufgeräumte und ausgemistete Regale, geordnete Farben und Pinsel….zumindest für eine Weile 🙂

Ich war sehr fleissig und bin es noch.

Nicht nur im Atelier…der Relaunch der Website ist fast fertig, zumindest die englische Version. Die deutsche Version des Kundenbereiches ist in Arbeit….

Seit ca. zwei Wochen gibt es meinen  Instagram-Account mit einem aktuellen Post des Tages je nach spontaner Laune und Situation. Schaut vorbei, wenn Ihr mögt und zeigt mir, was bei Euch so los ist und was Ihr macht. Ich freu mich 🙂

See you soon.

 

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„Die Wahrheit über Eva“

Meine letzte Einzelausstellung für dieses Jahr naht. Dieter Wolf, der Vorsitzende von Kultur Köln 30 hatte mich eingeladen, im Bezirksrathhaus Ehrenfeld auszustellen. Morgen ist es soweit:

„Die Wahrheit über Eva“
ERÖFFNUNG: Donnerstag, 17.11.16 um 19:00 Uhr
Ausstellungsdauer: 18.11. bis 16.12.16

Galerie im Bezirksrathaus Ehrenfeld
Venloer Straße 419 – 421 (1. Etage)
50825 Köln
Öffnungszeiten: Mo, Mi, Fr: 9 – 12 Uhr, Di: 9 – 18 Uhr, Do:9 – 12 Uhr / 14 – 16 Uhr

Gestern war Hängung. Ich hatte die Räumlichkeiten nicht mehr genau in Erinnerung und folglich auf Verdacht hin Werke zum Thema ausgewählt. Es passte genau! Keins zuviel, keins zu wenig.

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Die letzte Einzelschau-Vernissage im Jahr ist immer ein bißchen etwas Besonderes für mich. Die Jahre zuvor hatte ich im Dezember meine schon traditionelle Weihnachtsausstellung; das war immer sehr schön, bunt und stimmungsvoll mit etwas Budenzauber und  eigens bereitetem Glühwein/Eggnog. Dieses Jahr habe ich mich für Rückzug in mein Winteratelier entschieden, um konzentriert an meinem neuen  „inventory“ zu arbeiten und weiter nach und nach das umzusetzen, was mir mein  neuer beratender Galerist in nächtlichen Google-Hangouts an Ratschlägen mit auf den Weg gibt.

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Aber übermorgen erst einmal das Rathaus. Der Bezirksbürgermeister Josef Wirges wird zur Begrüßung sprechen, Dieter Wolf die Einführungsrede halten. Ich freue mich auf nette Gäste und einen schönen Abend.

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„The New Pictures“

In den Jahren, in denen ich als hauptberuflicher Künstler unterwegs bin, ist es Tradition geworden, dass ich im Herbst eine Soloshow selbst veranstalte, die sich hauptsächlich an meine Kunden, Sammler und Freunde richtet. Die Botschaft dahinter ist, etwas zurückzugeben an Dank für das lebendige Interesse, die rege Teilnahme an meiner Arbeit, die Weiterempfehlungen, herzliche Zugewandtheit und nicht zuletzt die Geduld mit meiner manchmal etwas schleppenden Kommunikation. Ich bin immer neu dankbar dafür und weiß, dass das nicht selbstverständlich ist.

Dieses Jahr wurde meine Herbstausstellung wie im Vorjahr gehostet von der Galerie Smend.
Ich liebe diese Räume. Sie haben eine ganz besondere, warme Atmosphäre, zu der nicht zuletzt auch der originalbelassene Fußboden aus honigfarbenen Holzbohlen beiträgt, die beim Darüberlaufen knarzen.

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Rudolf Smend begrüßte launig die Gäste, die Kunsthistorikerin Helga Isabella Lorentz ertrug es mit professioneller Fassung, dass sie erst kurz vor der Ausstellung mit einer neuen Bilderliste konfrontiert worden war und erzählte souverän was es bei den „New Pictures“  Besonderes gibt und warum Hund Tom nun Teil des Werkkomplexes ist.

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Eine besondere Freude war es mir, dass der wunderbare Richard Bargel eingewilligt hatte, ein paar seiner Songs zu performieren. Seine Musik begleitet mich so oft  beim Malen; der Zufall wollte es, dass einige „Richard-Bilder“ in der Ausstellung waren. Ein weiterer Zufall, dass er direkt unter einem dieser Bilder seine drei Gitarren aufbaute.
Richard begann zu singen und zu spielen, und  für einen kostbaren Moment in der Zeit wurde der Horizont weit; wir alle zogen mit ihm hinaus auf den Highway 51. Die Sehnsucht und das Wissen im Herzen, dass immer noch etwas geht. Jenseits des Horizontes. Danke, Richard!  You rock!

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Es war eine tolle Vernissage, ein großartiger Abend. Danke an alle, die mitgeholfen haben, ihn möglich zu machen. Danke an meine wunderbaren Gäste!

Last but never least Dank an das Team von MATOON und Dieter Hergt für die super Fotos! :

 

 

 

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„Das ist etwas gestört.“

Künstler können stundenlang darüber diskutieren, wann ein Bild fertig ist. Ich meine, wirklich fertig. Und nicht: „Ach, ich lass das jetzt mal so.“

Die Grundregel heisst: Wenn nichts im Bild weggenommen oder hinzugefügt werden kann, ohne dass es stört, dann ist alles gut. Man kann das leicht kontrollieren, indem man das fragliche Teil mit der Hand abdeckt. Wenn das Bild besser aussieht, muss es weg. Wenn es jedoch fehlt, muss es da sein, wo es ist.

Übel ist es, wenn etwas  noch ins Bild gehört, aber man nicht weiß was. Es gibt Stellen in manchen Bildern, die habe ich so oft ausgewischt, bis ich entnervt dachte, gleich muss ich ein Loch in die Leinwand schneiden, damit endlich „a Ruh‘ is“.

In der Zielgerade vor Ausstellungen saß ich häufig bei meinem Galeristen Tió in der Werkhalle, die von ihm als Bilderlager genutzt wurde, letzte Ausstellungsbilder angestrengt zu Ende malend. Unweigerlich gab es bei dem einen oder anderen Bild diesen Moment des „ungelösten Flecks“. Keiner konnte so beiläufig das Vorbeibringen eines Pappbechers Kaffee mit einer unterschwelligen Drohung „Da muss es etwas haben.“ verbinden wie Tió.
Ich: „Und was?“
„Ist dein Job!“ Und piekte dann mit dem Zeigefinger über meine Schulter. „Es ist wichtig den Fokalpunkt zu lassen!“
Ich: „Godverdamme.“ Quälte mich, wischte, fluchte, wischte. Erwog, das Bild zu beschneiden.
„Aber nein! Sei mal klug, du!“
Ja, du mich auch.
Dann – ganz plötzlich hatte ich es. Ohne Vorwarnung  malte es sich mit einem Mal wie von selbst. Und wie aus dem Nichts tauchte Tió auf, so als hätte er auf just diesen Moment gewartet, stand schweigend und guckte. Sagte kein Wort der Erlösung. Ging einfach. Nun gab es zwei Möglichkeiten. Er ging nach vorne in die Galerie, um neue Rahmenkataloge zu zerblättern oder…. er kehrte zurück, in der einen Hand eine Flasche Roten mit Korkenzieher, in der anderen zwei Gläser. Zog und stupste sich mit einem Fuß den Hocker heran, auf den er sich fallen ließ, linste mit seinem etwas schräg angedeuteten Lächeln, das sich hauptsächlich in seinen Augenwinkeln niederließ , zum Bild und sagte mit einem leichten zufriedenen Nicken: „Ça y’est.“

In einträchtigem Schweigen saßen wir dann, tranken ein Glas des stets ausgezeichneten Rotweins und fühlten uns beide als Sieger. Tió, der im Geiste bereits Kalkulation und ideale Rahmung andachte und ich, die endlich entdeckt hatte, was immer schon im Bild gewesen war.

Nun saß ich wieder vor so einem Problembild.

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Eigentlich war alles gut gewesen: Eine Landschaft mit Fluß und Feldern. Alles easy. Aber irgendwie ergab sich ein Fleck rechts, keine Ahnung wie das kam, ich dachte daran, Heuballen oder sowas da hinmalen.

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Das war es nun ganz und gar nicht. Wenn nichts mehr zu Land geht, geht vielleicht was zu Wasser. Ein Teich?

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Noch schlimmer. Tió hätte gesagt „Da ist etwas gestört.“ Ja, ganz gewaltig sogar.
Fünfmal Mist malen und wegwischen. Darüber kann ein Tag vergehen und so richtig sch… werden.

Dann am Telefon mein guter Freund Andy: „Hörma, kanns du deim Nachbarn ma Bescheid sagn, er soll den Tuppes vom vorign Mal vorbeischickn? Ich hänge mit Emma wieda im Feld fest. Wird schon bald dunkel.“

Das war’s. Schlagartig wusste ich, was im Bild fehlte. Ein Truck. Eilig scheuchte ich meinen Nachbarn auf, dass er wiederum die Werkstatt aufscheuchte und machte mich danach eilig noch einmal ans Bild. Der Truck erschien fast noch vor den Pinselstrichen; binnen einer halben Stunde war er zwischen dem Korn aufgetaucht, bräsig, zufrieden, gelassen, in sich ruhend in der Abendsonne.

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Emma. Andys ein und alles. Emma war für einen Truck hochbetagt, eine alte Lady mit ganz viel Charakter, aber zäh. Sie bekam seit zwei Jahren „Seniorendiesel“, wie Andy sagte, weil sie eine volle Ladung nicht mehr vertrug. „Is wie bei meina Omma. Wenn die den Tella zu voll hatte, mochte die auch nich mehr.“ Emma fuhr auch nur noch so weit, wie sie Lust hatte. Manchmal reichte es eben nicht mehr bis nach Hause und man musste nachhelfen. Kein Grund für Andy, sich von ihr zu trennen. „Wir wärn alle ma alt. So is dat ebn.“

Vor mir steht nun das Bild mit dem roten Truck. Ich bin zufrieden. Andy hat angerufen. Emma ist wieder Zuhause. Ihr „Taxigeld“ zahlt er ohne Murren, ist zufrieden und glücklich, wenn sie wieder in der Scheune steht. „Hat sich wat Ruhe vadient.“

Und ich denke an Tió und wie schön es wäre, wenn er nun mit der Flasche Rotwein und zwei Gläsern auf dem hinfälligen Hocker dabei säße.
Ein leichtes Nicken.
„Ça y’est.“

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Rahmen

Die ersten Rahmen für die Einzelschau Anfang Oktober sind eingetroffen. Alles ist voll mit Verpackungsmaterial – Luftposterfolie, Pappkartons, Schaumstoffschutz – das sich raschelnd und knisternd türmt.

Es ist toll, auf Verpackungen zu treffen, die genau so ausführlich sind, als wenn sie von mir wären.
Ich bin ein berüchtigter und gefürchteter Verpacker. Meine Geschenke und Postsendungen kriegt man nicht so ohne weiteres auf, sondern nur durch langsames, beharrliches Entblättern; manche müssen sich dafür schon mal einen Monat freinehmen.

Im Verpackungsrausch denke ich bisweilen: „Nun ist aber vielleicht wirklich gut.“ Aber wusch! schon weg der Gedanke, und rasch noch mal eine Folie, ein paar Klebestreifen oder eine Pappumhüllung nachgelegt. Schon als Kind habe ich das geliebt: Dinge verpacken. Meine Mutter ließ mich mit bewunderswerter Geduld immer wieder den Vorratsschrank ausräumen. So kramte ich eifrig Mehl- und Zuckertüten beieinander, Dosen, Flaschen, Kartons und Schachteln, um hernach alles – einzeln! – in viel Zeitungspapier einzuwickeln und mit Gummibändern oder Bindfäden ausgiebig zu verschnüren. Mein Traum war es, Verkäuferin zu werden. In meinen Augen waren sie die glücklichsten Menschen der Welt, da sie den ganzen Tag Waren für Kunden verpacken durften.

Zurück zu den Rahmen. Erstmalig werde ich in einer Schau zum Teil gerahmte Werke ausstellen. Damit eine Art Beständigkeit herrscht und nicht ein zufälliges Dies und Das, werden ausschließlich die Fomate 40/45 x 60 cm gerahmt werden. Die größeren Formate bleiben ungerahmt. Mein Galerist plädiert zwar für alle Formate sowie für kostenintensive Rahmung; da ich aber nicht vorzeitig unter eine Brücke ziehen möchte, ist die Beschränkung auf kleine Formate mit kostenintensiver Rahmung erst einmal eines: eine vernünftige Entscheidung.

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Ich hab’s mit den Verpackungen, mein Galerist mit den Rahmungen. Er ist ein Rahmenfetischst. Das kann kann man wohl so sagen. Zugleich Sternzeichen Waage, was Entscheidungssprozesse verlangsamt. Er kann stundenlang vor Bildern sitzen und Kataloge mit diver-ses-ten Rahmenleisten wälzen, kommt von einem komplizierten Auswahlverfahren durch mehrere Runden in eine Finalrunde, um dann nach Schlaflosigkeit endlich eine erschöpfte, von Zweifeln geplagte Entscheidung zu treffen. Slimcase silver/black etwa. Während seine Assistentin die dann bestellt fällt er ihr regelmäßig abrupt ins Telefonat, reißt den Hörer an sich und bestellt spontan noch zwei Varianten dazu. Slimcase black/black, „Walnut/Ivory“etc.: „Zum Vergleich“. Die Assistin blickt derweil angestrengt zum Fenster raus und versucht, sich auf das Straßenschild zu konzentrieren. Der Rahmenhändler muss dann Fotos mit Stellproben machen und die mailen. Die Assistentin macht  Prints, über denen der Galerist wieder brütet. Früher saß er den halben Tag beim Rahmenhändler, hielt das  Geschäft auf und trieb alle in den Wahnsinn. Der Rahmenhändler hat ihm irgendwann Hausverbot erteilt, in aller Freundschaft. Zum Ausgleich gehen beide einmal im Monat zusammen kurz thailändisch essen, danach lange in eine Bar trinken, wo sie sich über Baseball, Frauen und erfolglose Musikbands ereifern.

 

 

 

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Zurück an die See

Solange ich denken kann, habe ich diese Liebe zur See, zum Meer. Zur westschottischen Küste, zu den Hebriden. Nirgendwo ist das Licht dramatischer, schöner, geheimnisvoller. Unvermittelt bricht es durch düsteres sturmgetriebenes Wolkengetürm, reisst den Himmel auf und jemand schüttet Licht aus über Klippen, Felsen, grünes Weideland. Und es gibt jene sanften Tage, die fast unwirklich wie hinter einem kaum wahrnehmbaren Dunstschleier friedlich ausgebreitet sind. Der Wind ist fast leicht und das Leben fühlt sich besonders an. Alles dies gibt es also.

Gerade beendet:

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Where Mermaids Sing, Öl/Lwd., 120 x 90 cm

 

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Late Summer

An manchen Tagen ist der Spätsommer besonders schön. Wenn das Licht schon golden wird, ein bißchen mehr Laub aufzuwirbeln ist beim Gehen,  dieser würzige, leicht süßlichherbe Duft warmer Herbsttage aufsteigt, wenngleich die Temperaturen noch ganz im Sommer verschlafen ausharren. Nie sind die Farben schöner und intensiver als in diesem Licht. Ich habe Lust in jedes meiner Bilder Orange zu malen.

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Late Summer, Öl/Lwd., 45 x 60 cm

 

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Abkühlendes malen an heissen Tagen

Das Wochenende war anstrengend. Weil man überall verschwitzt festklebte bei der Hitze. Im Atelier stand die Luft. Ich trank alkfreies Bier mit crushed ice und sehnte mich nach schlechtem Wetter, rief mein liebstes Regenvideo auf : https://www.youtube.com/watch?v=V9Xu6mkacg8  und malte eine #nachdemgewitter Stimmung.

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After the Storm, oil/canvas, 40 x 60 cm

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Überraschung

Als ich gestern abend vom Atelier nach Hause kam, stand er da. Vor meiner Tür, lässig angelehnt und halb verhüllt. Dezent duftend. Souverän und gelassen. Schweigsam. Aber doch spürbar heiter in sich ruhend. Er hatte einen Brief bei sich.

Der Blumenstrauß.

Die Zeiten sind nicht mehr so, dass man sich auf Überraschungen mit der spontanen Freude eines Kindes stürzt. Ich beäugte erst einmal mißtrauisch das Seidenpapier, ob sich zwischen Papierlagen womöglich etwas versteckte, was da nicht sein sollte. Alles sah harmlos aus und wirkte ganz in Ordnung. Rote Dahlien, eine rote Rose, weiße Knallerbsen (keine Ahnung wie richtig heißen) und anderes Kraut, das ich nicht zu benennen weiß. Wunderschön. Und er duftete ganz außerordentlich. Die Handschrift auf dem Umschlag kannte ich nicht. Auf der Briefkarte in ebenso schön aussehender Handschrift wie das Blumenarrangement: „Ich finde Sie malen wunderbare Bilder.“ Nichts weiter.

Ich dachte, vielleicht ist das ein Scherz, und gleich kommt jemand mit einer Wasserpistole um die Ecke, schreit „Prank!“, feuert den Blumenstrauß platt und mich pischnass, filmt dabei das Ganze mit Handy und stellt das dann als Brüller „Wie ich einen Blumenstrauß bekam“ auf Youtube. Alles blieb ruhig.

Mann oder Frau? Wohl eher ein Mann. Jemand, der meine Adresse kennt und den Strauß vor die Tür stellt? Oder stellen lässt? Kann es denn sein, dass in einer Zeit der Emojis und Blumen-Gifs man tatsächlich einen analogen Blumenstrauß von Unbekannt bekommt und dies nicht bedeutet, dass ich zur Polizei gehen und eine Anzeige gegen Unbekannt wegen was weiß ich stellen muss?

Wo war der Haken? Gertrude Stein hat ihr „Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose….“ schließlich auch nicht überlebt. Ich hingegen habe fast alle Folgen von Paranormal Activity geguckt, und mir macht so leicht keiner mehr was vor.

Ich trug das blütenreiche Duftwunder vorsichtig in die Küche und entdeckte unter grünem Geranke auch Löwenmäulchen. Hmm. Eine Anspielung? Wen hatte ich denn kürzlich beleidigt? Gedankenvoll und mit aufziehender Sorge kramte ich eine angestaubte Blumenvase hinter inaktiven Kochtöpfen hervor. Ich schnitt die Stengel mit einer Schere ab, füllte die sauberpolierte Vase mit frischem Wasser. Sie passte perfekt.

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Ein Platz war schnell gefunden. So stand ich eine ganze Weile davor und befreute mein Überraschungsgeschenk.

Darauf ein kühles Glas Weißwein. Zurück in der Küche sah ich, dass ich noch einen Gast hatte. Ich stieß einen markerschütternden Schrei zum Gläseregal aus und machte einen Satz rückwärts gegen den Türrahmen. Eine handtellergroße Spinne bewegte sich zügig beingrätschend entlang der Stellage. (Nun gut, vielleicht  war sie etwas kleiner als handtellergroß, vielleicht die Hälfte, ok sagen wir 3 cm aber das mindestens!) Blitzschnell versuchte ich, die akute Gefahrenlage abzuschätzen: Liefe ich zum Abstellschrank auf den Flur, wo der Staubsauger stand, konnte  die Spinne in der Zeit überall untertauchen und mir dann aus dem Hinterhalt jederzeit auflauern. Das galt es unter allen Umständen zu verhindern. Zuschlagen und das beherzt. Meine Turnschuhe hatten eine Laufprofilsohle; die Überlebenschance der Spinne standen somit  für mich ungünstig: 50 : 50.

Derweil strebte die Spinne auf flinken Beinen zielgerichtetet auf die Schattenzone des Toasters zu. Kurz erinnerte ich mich an die Bemerkung einer Bekannten: „Ach, Sie haben den Toaster auf dem Gläserregal stehen? Wie originell. Aber ist das günstig?“

Nein. Es war nicht günstig. Ganz und gar nicht. Das wusste ich jetzt. Aber gerade auch mal egal. Wild entschlossen stiess ich mir den Turnschuh vom Fuß, schnappte ein Küchenhandtuch, wickelte es straff um die Sohle und stürzte mich in den Kampf. Die Spinne, das Gläserregal und ich. Nach ein paar heftigen Schlägen war die Sache erledigt. Die sterblichen Überreste wurden entsorgt, das Handtuch kam in den Wäschekorb und am Wochenende kaufe ich einen neuen Satz Martinigläser.

P.S. Ob der Blumenkavalier die Spinne in den Strauß geschmuggelt hatte? Anonym, Löwenmäulchen, eine Spinne. Das ergibt keine angenehme Botschaft. Und vielleicht war das mit den „wunderbaren“ Bildern auch sarkastisch gemeint?

Ist „paranoid“ eigentlich eine Überlegung hinsichtlich möglicher Fragestellungen oder grundsätzlich ein pathologischer Zustand?

 

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„Ein bißchen kleines Gehäcksel“

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So nannte mein Brüsseler Galerist mein monatliches Paket mit gewünschten kleinen Formaten, das UPS bei ihm pünktlich abwarf. Er pflegte  seine Adlernase tief in den Karton zu stecken und in der Noppenfolie herumzuwühlen wie ein Trüffelschwein. Meine Leidenschaft für gründliche Rundumverpackung – an der sich der Auspackende mit sinkendem Mut abarbeitet – trieb ihn, den personifizierten Ungeduldigen, in kürzester Zeit  in die unwilligste schlechte Laune. „Kannst du nicht mal locker machen“, schnappte er in seinem eigenwilligen deutsch, flämisch, französischen SprachMix und zerrte  an Klebebändern und Stretchfolie. „Ich kann nicht für ein Jahrhundert das ausbringen!!“

Später, wenn dann die kleinen Bilder nebeneinander aufgereiht endlich an der Wand standen, switchte seine gereizte Stimmung zurück zu höchster Konzentration. Während er mit Raubvogelaugen die Bilder abschritt wie ein General seine Truppe, konnte man  von ferne das Kassengeklingel in seinem Kopf hören. Dann baute er seinen kleinen hageren Körper breitbeinig vor mir auf, sich dabei wie schützend und besitzgreifend zugleich vor die Bilderreihe postierend, fixierte mich mit unbewegter Miene und sagte nach einer Weile Auge in Auge: „Et alors, es geht schon so.“ Aufatmen bei mir. Erleichterung. Es gab schon Treffen, da hieß es knapp: „Da hast du verwischt.“ Was nichts anderes bedeutete, dass ich nicht sorgfältig gearbeitet hatte, „gehudelt“ würde mein österreichischer Nachbar sagen, „oberflächlich runtergemalt“ meine Kunsthistorikerin. Tió schnappte sich dann zwei oder drei Bilder unter den Arm, um sie im Büro seines autistischen Bruder Jaco mit einem lauten „Da“ auf seine Tastatur zu legen.

Tió, ich vermisse Dich. Und ich hoffe, dass Du dort, wo Du nun schon seit fast einem Jahr bist, den Laden ordentlich aufmischst und ebenso streng führst auf Deine komischstrenge Art, die aber wundersamerweise fast jede Tür für Dich öffnete. Ich werde hier in diesem Blog sicher noch die eine oder andere Anekdote erzählen über Dich. Höre ich Dich lachen? Haha.

Eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich immer noch – wenngleich nicht mehr ganz so regelmäßig – mich an das „kleine Gehäcksel“ begebe. Ich habe gerade wieder so eine Serie von zehn Stück angefangen. Und nein, um Deiner Frage zuvor zu kommen: Ich bin nicht schneller geworden im Malen. Nicht wesentlich jedenfalls. Und nein: Ich vermische immer noch die Ölfarbenpinsel mit denen für Acrylfarbe. Mea culpa. Ja, ich geh in meine Kaffeeecke und schäm mich. 🙂

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Das hab ich gestern im Laufe des Nachmittags fertig gemalt. 40 x 60 cm. Noch kein Titel. Ich hatte das Motiv schon eine Weile skizziert auf dieser Leinwand, es dann wieder vergessen, weil eine große Arbeits-Platte davor stand. Eigentlich war mir nicht  nach Steine und Wasser malen, eher nach Gras und Wiese, also habe ich wenigstens um die Steine herum etwas Schilfgras gemalt. Ich experimentiere mit Blautönen unterschiedlicher Art für das Gras nicht den beschatteten Partien. Die nächsten beiden werden vielleicht auch Grasbilder. Mal sehen. Je nachdem was die Kreativität gerade als erstes auf dem Zettel hat.

 

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